Rückwärts gerichtete Kinderautositze (Reboarder)

Warum rückwärts gerichtete Kindersitze?

Statistisch gesehen ist die Verletzungsgefahr bei vorwärts gerichteten Kindersitzen der ECE Gruppe I mit
Hosenträgergurt (9-18 kg, ca. 9 Monate – 4 Jahre) im Vergleich zu den rückwärts gerichteten Babyschalen der
Gruppe 0+ (0-13 kg, 0 – ca. 18 Monate) signifikant höher, da der Kopf des Kindes in Relation zum Körper nach
wie vor sehr groß und schwer ist. Er macht beim Kleinkind 25 % des gesamten Körpergewichtes aus.
Nackenmuskulatur und Wirbelsäule sind noch unvollständig entwickelt.

Bei einem Frontalaufprall, der mit ca. 59 % das Unfallgeschehen mit dem PKW dominiert, werden bei vorwärts
gerichteten Autositzen, die mit einem marktüblichen 5-Punkt-Gurtsystem ausgestattet sind, die Schultern des
Kindes zurückgehalten, während der Kopf mit enormer Wucht nach vorne geschleudert wird. Das kann zu einer
Streckung der Halswirbelsäule führen – mit dramatischen Folgen für das Kind. Kopf, Schultern sowie innere
Organe werden ebenfalls schweren Belastungen ausgesetzt.

 

Bieten rückwärts gerichtete Kindersitze mehr Unfallsicherheit?

In rückwärts gerichteten Autositzen (sogenannten Reboard Systemen) werden die Kräfte eines Aufpralls
gleichmäßig über eine große Fläche verteilt. Die Belastung auf den Hals, die Schultern, den Kopf
sowie die inneren Organe wird dadurch erheblich reduziert. Der Kindersitz wirkt ein Schutzschild
und stützt den empfindlichen Kopf und Hals. Gemäß Untersuchungen des schwedischen Forschungsinstituts
für Straße und Verkehr (VTI) und des schwedischen Automobilherstellers Volvo reduziert ein rückwärts
gerichteter Kindersitz das Verletzungsrisiko bei einem Frontalaufprall um ca. 80 % gegenüber einem
vorwärts gerichteten Sitz mit Hosenträgergurtsystem (Rapport 489A, 2003).

Ca. 90 % aller schwedischen Kinder fahren rückwärts gerichtet bis zu einem Alter von ca. 4 Jahren
(bis 18 kg) und erleiden bei Autounfällen nur in sehr geringem Maß schwere oder tödliche Verletzungen.
Der Unterschied wird vor allem besonders deutlich, wenn man skandinavische Statistiken zu Unfällen und
Todesfällen mit anderen Ländern, wie z. B. Deutschland, vergleicht, in denen Kinder traditionell in
vorwärts gerichteten Kindersitzen der Gruppe I mit einem 5-Punkt-Gurtsystem transportiert werden.
Hier schießt die Verletzungsgefahr bei den vorwärts gerichteten Gruppe I Sitzen im Vergleich zu den
rückwärts gerichteten Babyschalen der Gruppe 0+ dramatisch in die Höhe.

 

Sind sich die Experten einig, dass rückwärts gerichtete Sitze sicherer sind?

Verkehrsmediziner, Unfallforscher sowie Verbraucher- und Gesundheitsorganisationen wie die
Stiftung Warentest, der ADAC oder der DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) empfehlen,
Kinder so lange wie möglich in rückwärts gerichteten Kindersitzen zu befördern.

 

Sobald ein Kind ohne Hilfe sitzen kann, sollte man dann den Sitz in Fahrtrichtung drehen?

Muskel- und Körperbeherrschung haben nichts damit zu tun, ob ein Kind einen Unfall in einem
vorwärts gerichteten Sitz mit Gurtsystem überlebt. Der Kopf eines Kleinkindes macht 25 %
seines gesamten Körpergewichtes aus. Die Wirbelkörper schließen sich erst nach dem 4. Lebensjahr
und bestehen vorher noch teilweise aus weichem Knorpelgewebe. Während eines Unfalls kann es
durch das unkontrollierte, gewaltsamt Herumschleudern des Kopfes und durch die Streckung
der Halswirbelsäule zu ernsthaften Verletzungen kommen. In einem rückwärts gerichteten
Sitz wird die Aufprallenergie über den gesamten Rücken des Kindes gleichmäßig verteilt.
Der Kindersitz wirkt wie ein Schutzschild und stützt den empfindlichen Kopf und Hals
sowie die inneren Organe.

 

Was ist mit den Beinen des Kindes?

Es sind keine Unfallberichte über Beinverletzungen in rückwärts gerichteten Kindersitzen bekannt.
Im Vergleich dazu gibt es aber eine Vielzahl von Unfallberichten über Halswirbelverletzungen
von Kindern in vorwärts gerichteten Kindersitzen mit Gurtsystemen. Rückwärts gerichtete
Kindersitze der Gruppe I bieten durch die entsprechende Positionierung im Auto ausreichend
Platz für die Beine und minimieren dadurch das Verletzungsrisiko.

 

Wird sich mein Kind in rückwärts gerichteten Sitzen wohlfühlen?

Kinder, die immer entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden, sehen dies als
selbstverständlich an und sind entspannt und zufrieden in ihrem rückwärts gerichteten Sitz.
Damit das Kind nicht nur gut gesichert sondern auch bei bester Laune bleibt, kann man die
gleichen Unterhaltungsmöglichkeiten nutzen, die man auch normalerweise zur Vermeidung von
Langeweile während einer Autoreise verwendet – Spielzeug, Musik, Spiele oder Geschichten
etc. Sitzt ein Erwachsener oder älteres Kind zusammen mit dem rückwärts gerichtet sitzenden
Kind auf der Rückbank, können die Beiden wesentlich einfacher miteinander kommunizieren,
da man sich mit dem Gesicht gegenüber sitzt. Das Kleinkind bleibt dabei immer in seiner
perfekten Schutzzone.

 

Wie kann ich mit meinem Kind kommunizieren?

Es ist äußerst gefährlich, sich während des Fahrens umzudrehen und mit dem Kind zu sprechen.
Wenn das Kind in einem rückwärts gerichteten Sitz gesichert ist, wird die Wahrscheinlichkeit
geringer sein, dass Eltern das tun. Es gibt auch Einwände von Eltern, sie hätten ihr Kind
nicht mehr im Blick, wenn es in einem Reboard-Sitz untergebracht ist. Der Fachhandel bietet
spezielle Spiegel an, wenn man das Gesicht seines Kindes im Auge behalten möchte.
Falls das Kind die Aufmerksamkeit der Eltern benötigt, empfehlen wir anzuhalten und sich
erst dann dem Kind zuzuwenden. Viele Unfälle werden durch die Ablenkung des Fahrers verursacht.

 

Kann mein Kind auch in einem rückwärts gerichteten Sitz aus dem Fenster schauen?

Kinder in rückwärts gerichteten Kindersitzen können genauso gut aus dem Seitenfenster
schauen als Kinder in vorwärts gerichteten Sitzen. In vielen Fahrzeugen können die
Kopfstützen der Rückbank einfach abmontiert werden. Das ermöglicht dem rückwärts gerichteten
Kind freie Sicht aus der Heckscheibe. Natürlich kann ein rückwärts gerichtetes Kind nicht
nach vorne aus der Windschutzscheibe schauen. Aber das kann ein Kind in einem Kindersitz
in Fahrtrichtung auch nicht. Die Gesundheit und das Leben des Kindes sollte natürlich
Vorrang haben im Vergleich zu einer möglichst guten Aussicht.

 

Kann ich mein Kind auch über das Gewichtslimit von 18 kg hinaus im rückwärts gerichteten Sitz befördern?

Nein, das ist nicht gestattet, da die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Gruppe I Sitze
wurden nicht mit schwereren Kindern getestet. Das Kind könnte im Falle eines Unfalls nicht
mehr bestmöglich geschützt sein.

 

Kann ich einen rückwärts gerichteten Sitz mit ISOFIX verwenden?

Selbstverständlich. Das ISOFIX-System bietet zusätzliche Sicherheit und Stabilität zusammen
mit einer reduzierten Fehlbedienungsrate durch die leichte Handhabung und wird deshalb von
Verkehrssicherheitsexperten und Unfallforschern sehr empfohlen.

 

Rückwärts gerichtete Kindersitze sind sperrig und benutzerunfreundlich?

Reboarder nehmen konstruktionsbedingt mehr Platz in Anspruch, was jedoch nicht heißt, dass
sie nicht mit kleinen Autos kompatibel sein können. Wichtig ist jedoch, was natürlich bei
jedem Fahrzeugtyp zu empfehlen ist, dass der Sitz zur Probe eingebaut wird. Moderne rückwärts
gerichtete Kombinations-Kindersitze bieten heutzutage viel Komfort und eine erstaunliche
Funktionalität. So macht zum Beispiel ein raffinierter 360°-Drehmechanismus das Ein- und
Aussteigen ganz einfach und rückenschonend. Der Wechsel zwischen rückwärts und vorwärts
gerichteter Position kann dadurch ohne aufwändigen Komplettausbau des Sitzes erfolgen.


7 Kommentare

    1. Desiree – in fast allen Filialen gibt es jetzt Reboarder zum Anschauen. Welche Filiale ist denn in deiner Nähe? Dann fragen wir mal nach, welche Sitze dort zu sehen sind. Liebe Grüße!

  1. Sehr interessant zu wissen. Falls ich mal Nachwuchs bekomme werde ich mich daran halten. Anfangs des Artikels dachte ich, dass es den Babys und Kindern dann häufiger schlecht wird, wenn sie entgegen der Fahrtrichtung sitzen, aber das scheint ja auch widerlegt worden und klingt auch einleuchtend, dass die Kleinen sich daran gewöhnen, wenn sie von Anfang an in Fahrtrichtung „transportiert“ (;)) werden.

  2. Wir haben für unseren Sohn den Cybex sirona gekauft. Wir hatten das Glück das wir von der Babyschale zum ersten Sitz genau dann wechseln mussten, als der sirona auf den Deutschen Markt kam.
    Mein Sohn fühlt sich sehr wohl in dem Sitz, er hat kein Problem damit weiterhin rückwärts zu fahren und wenn mein Mann oder ich bei einer längeren Autofahrt mal hinten bei ihm sitzen, können wir uns viel besser mit ihm beschäftigen, da wir uns gegenüber sitzen. Und wenn unser Sohn einschläft, habe ich in der Rückwärts gerichteten Position fünf verschiedene Liegepositionen.
    Ein weiterer Pluspunkt an dem Sitz ist, das man den Sitz zu, ein und aussteigen Richtung Tür drehen kann. Wenn ich sehe wieviele Eltern sich verdrehen um ihr Kind in den Sitz zu heben, bin ich sehr froh, dass mein Rücken jedesmal geschont wird.
    Alles in allem ein toller Sitz, den wir jedem weiterempfehlen würden und der Singles definitiv Wert ist.

  3. ich finde den sitz toll, finde ihn aber nicht in eurem online katalog. habt ihr den denn? und was kostet er?

    viele grüsse
    jennifer

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