Alisas Gedanken zu Jesper Juuls Kolumne „Erziehen heißt nicht verletzen“

In seiner Kolumne kritisiert Jesper Juul die so genannte „Stille Treppe“. Darunter versteht man, dass wenn das Kind beim Essen oder in sonstigen Situationen zu sehr stört und sich schlecht benimmt, es in sein/ihr Zimmer „verbannt wird“, bis es sich wieder beruhigt hat. Jesper Juul ist der Meinung, dass das eine ungeeignete Erziehungsmethode ist, was zusammen mit seiner Begründung auf unserer Facebookseite einen heftige Diskussion ausgelöst hat.

Nachdem ich mir heute die Kolumne „Erziehen heißt nicht verletzen“ von Jesper Juul, und darauf die Kommentare unter unserem Facebook-Post dazu durchgelesen habe, dachte ich mir ich gebe auch mal meinen Senf dazu.

Ich selbst bin 15 Jahre alt, gehe in die 10. Klasse eines Gymnasiums und bin momentan Praktikantin bei baby-walz; habe also natürlich keine Ahnung, wie man sich in solchen Situationen als Mutter fühlt. Aber ich denke, dass ich mich ganz gut in die Lage des Kindes hineinversetzen kann, da meine Kindheit ja nun noch nicht so lange her ist und ich auch noch recht gut weiß, wie ich mich damals gefühlt und benommen habe.

Im Allgemeinen finde ich die Idee einer „Auszeit“ gar nicht mal so schlecht, denn so bekommt das Kind eine Chance, über sein Verhalten nachzudenken und erkennt vielleicht auch, was es falsch gemacht hat. Trotzdem sollte die Auszeit nicht zu lange dauern, fünf Minuten reichen vollkommen, und danach sollte ein klärendes Gespräch geführt werden, in dem man seinem Kind sagt, was falsch war. Ihm also zeigt, dass es geliebt wird und man gegebenenfalls auch nach einer Lösung sucht. Das kommt natürlich aber auch auf das Kind an, nicht jedes Kind beruhigt sich dann und ist friedlich, lernt vielleicht etwas daraus; es kann nämlich auch sein, dass das Kind dadurch nur noch hibbeliger wird, und wütend, wenn nicht sogar aggressiv. Dann sollte man auf jeden Fall nach einer anderen Lösung suchen. Bei mir hat die Auszeit immer ganz gut geholfen, ich war aber auch noch nie besonders aggressiv oder angriffslustig.

Eine Mutter als „Rabenmutter“ zu bezeichnen, nur weil sie diesen Trick mit der Stillen Treppe verwendet, finde ich komplett übertrieben. Jedem sollte selbst überlassen sein, wie er sein Kind erzieht und wenn diese Erziehungsmethode nicht funktioniert, wird ja wohl auch niemand stur darauf bestehen und somit seinem Kind in gewisser Weise auch schaden, sondern dann eher zu anderen Methoden greifen.

Zum Abschluss seiner Kolumne gibt Jesper Juul uns noch eine Faustregel mit auf den Weg: „Wenn Sie eine Methode für Ihr Kind in Erwägung ziehen, sollten Sie zuerst darüber nachdenken, ob Sie diese auch bei Ihren besten Freunden anwenden würden. Wenn die Antwort ein „Nein“ ist, dann ist es wahrscheinlich auch eine schlechte Idee, diese Methode bei einem Kind einzusetzen.“ Zusammengefasst meint er damit, dass man sein Kind als seinen besten Freund betrachten soll, was meiner Meinung nach nicht richtig ist. Ein vierjähriges Kind kann man doch nicht mit einem Erwachsenen gleichsetzen, da es sowohl physisch als auch mental nicht auf dem Stand eines Erwachsenen ist. Als Eltern ist man dazu verpflichtet, sein Kind zu erziehen.  Seinen besten Freund muss man nicht mehr erziehen, daher finde ich nicht, dass man sein Kind mit dem besten Freund vergleichen kann.

Natürlich sollte man sein Kind achten, aber es auf das Level eines Erwachsenen zu setzen, finde ich dann doch übertrieben und nicht machbar. Obwohl Kinder in manchen Religionen, wie zum Beispiel der Sekte Scientology, als „kleine Erwachsene“ angesehen und behandelt werden. Wenn es zur Religion gehört, dann finde ich es bis zu einem bestimmten Punkt in Ordnung, aber wenn dies eben nicht der Fall ist, dann sollten Kind und Eltern nicht auf die gleiche Ebene gestellt werden.

Abschließend muss ich sagen, dass ich der Kolumne von Jesper Juul nicht zustimmen kann. Aber gut, jeder hat eine andere Meinung und bei manchen Kindern ist es auch durchaus sinnvoll, diese Erziehungsmethode nicht einzusetzen. Das muss jedoch jeder selbst wissen, und wie man sieht, kreuzen sich die Meinungen zu diesem Thema sehr, was man an der hitzigen Diskussion unter unserem Facebookpost dazu nur nochmal deutlicher erkennt.

Ich habe nun meine Meinung auch in diesen riesigen Topf geworfen, denn ich denke, dass es auch mal ganz interessant ist zu sehen, was ein „Fast-noch-Kind“ dazu so denkt 🙂

Ich hoffe es hat euch gefallen, liebe Grüße

Alisa ♥

 


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